Baby-Nina mit dem Mutter·mal

Das ist eine Geschichte in Einfacher Sprache:

Ich heiße Melissa

Ich bin eine junge Frau.
Ich bin 20 Jahre alt. 
Und ich habe vor einer Woche mein Baby bekommen.
Das heißt:
Ich bin jetzt Mama.

Mein Baby heißt Nina

Sie ist ein Mädchen.
Und sie hat ein großes Mutter·mal. 
Das ist ein brauner Fleck auf der Haut.

Das Mutter·mal sieht wie ein Zeichen aus.
Nina hat es am Hals.
Ich erkenne Nina an dem Mutter·mal.
Ich habe das gleiche Mutter·mal am Hals. 

Es ist Sommer 

Die Sonne scheint.
Und es ist sehr heiß.

Ich liebe den Sommer.
Da gehe ich oft in den Park. 
Ich bin heute wieder im Park.
Und ich habe mein Baby-Nina dabei.

Nina liegt im Kinder·wagen. 
Ich schiebe den Kinder·wagen. 
Dann setze ich mich auf eine Bank.

Die Bank steht in der Sonne. 
Aber da ist es für Nina zu heiß. 
Deshalb stelle ich den Kinder·wagen unter einen Baum.
Da ist es schattig.
Und kühl.

Der Kinder·wagen steht nahe bei der Bank. 
So kann ich Nina sehen.
Nina schläft sehr fest.
Deshalb kann ich mich ausruhen. 

Ich sitze lange auf der Bank

Die Sonne scheint auf mein Gesicht.
Ich mache meine Augen zu.
Ich strecke meine Beine aus.
Und ich atme tief ein.
Das tut so gut.

Ich bin das erste Mal Mama.
Das heißt:
Nina ist mein erstes Baby.
Alles ist noch so neu.
Mama sein ist sehr anstrengend.
Aber es ist trotzdem schön, eine Mama zu sein.
Ich sitze lange auf der Bank.
Und ich schlafe ein.

Aber dann wache ich wieder auf

Ich mache meine Augen auf.
Ich gucke auf die Uhr.
Und ich erschrecke.
Ich sehe nämlich:
Es ist schon spät.

Ich habe 2 Stunden geschlafen. 
Nina braucht schnell Milch.
Warum habe ich sie nicht gehört?
Nina schreit doch immer, wenn sie wach wird.
Dann hat sie Hunger.
Oder Durst.
Aber vielleicht schläft Nina noch?

Ich strecke mich.
Und ich stehe von der Bank auf.

Ich gehe schnell zu Nina

Der Kinder·wagen steht noch unter dem Baum.
Da ist es noch schattig. 
Und kühl.
Das ist gut.

Ich gucke in den Kinder·wagen rein. 
Aber jetzt erschrecke ich richtig.
Mein Baby-Nina ist weg.
Das gibts doch nicht.
Wie kann das sein?
Wo ist Nina?
Sie kann doch noch gar nicht laufen.
Sie kann nicht alleine aus dem Kinder·wagen raus.
Aber Nina ist weg.

Ich schreie sehr laut.
Und ich weine.
Tränen laufen über mein Gesicht. 
Ich glaube:
Ein Mensch hat Nina mitgenommen.
Also entführt. 
Aber wer hat das gemacht?
Und warum?

Ich suche Nina überall

Ich laufe durch den Park.
Und ich frage fremde Menschen.
Vielleicht haben die Menschen Nina gesehen?
Aber keine Menschen haben Nina gesehen.

Ich gehe zur Polizei 

Ich erzählt der Polizei:
Mein Baby-Nina ist weg.
Ein Mensch hat Nina entführt. 
Aber die Polizei kann mir nicht helfen.
Die Polizei findet Nina nicht.

Ich gehe nach Hause 

Zu meinem Mann.
Ich bin nämlich verheiratet.
Ich habe einen Mann.
Er heißt Ben.
Er ist der Papa von Nina.
Ich erzähle Ben:
Unser Baby-Nina ist weg.
Ein Mensch hat Nina entführt. 

Da schreit Ben sehr laut.
Und Tränen laufen über sein Gesicht. 
Und mir laufen auch wieder Tränen über mein Gesicht. 
Ben und ich, wir weinen beide.
Wir sind beide sehr traurig, weil Nina weg ist.

Aber dann streiten wir uns.
Ben sagt nämlich:
Du bist schuld.
Du hast den Kinder·wagen unter den Baum gestellt. 
Und geschlafen.
Deshalb hat ein Mensch Nina entführt. 

Ben und ich, wir trennen uns.
Wir streiten uns jetzt nämlich oft, weil Nina weg ist.
Wir bekommen viele Probleme miteinander. 

Ich bin viele Jahre sehr traurig

Ich gehe noch oft in den Park.
Und ich suche Nina lange Zeit.
Dabei werde ich sehr krank.
Ich will mich sogar selbst töten, weil ich so traurig bin. 

Ich habe starke Tabletten genommen. 
Damit ich sterbe.
Aber ich habe eine Freundin.
Sie hat mich gefunden.
Deshalb lebe ich noch.

Ich komme in ein besonderes Kranken·haus. 
Da bin ich eingesperrt.
Und ich muss andere starke Tabletten nehmen. 
Damit ich mich beruhige.
Und wieder gesund werde.

Ich bin viele Jahre sehr krank

Und ich kann nicht arbeiten gehen.
Ich denke oft an Nina. 
Ich denke oft:
Was ist mit Nina passiert?
Wo ist sie jetzt? 
Lebt sie noch?
Oder ist sie gestorben? 

Viele Jahre später 

Ich bin jetzt 45 Jahre alt. 
Es geht mir wieder besser.
Und ich kann wieder arbeiten gehen. 
Darüber bin ich froh. 
Aber ich bin nicht glücklich. 
Ich kann mein Baby-Nina nicht vergessen.

Ich arbeite jetzt in einer Firma.
Die Firma macht Sachen zum Anziehen.
Ich kann nämlich gut nähen.
Das habe ich vor langer Zeit gelernt. 
Da war mein Baby-Nina noch nicht geboren.
Ich habe nämlich Schneiderin gelernt.
Das ist ein Beruf.
Eine Schneiderin macht zum Beispiel:
Hosen und Blusen.
Also Sachen zum Anziehen. 

Ich arbeite schon 3 Wochen in der Firma. 
Als Schneiderin.
Ich nähe mit einer Maschine viele Teile für Hosen.
Und für Blusen.
Aber heute ist ein besonderer Tag. 
Heute kommt nämlich ein junger Mann in die Firma.
Er ist der junge Chef. 

Ich kenne den jungen Chef noch nicht

Es gibt nämlich noch eine alte Chefin.
Und einen alten Chef.
Das sind die Eltern von dem jungen Chef. 
Sie haben mir die Arbeit in der Firma gegeben.
Sie haben mich eingestellt.

Der junge Chef ist sehr nett

Er gibt mir die Hand.
Und er sagt:
Guten Tag. 
Wir kennen uns noch nicht.
Ich war nämlich lange Zeit im Urlaub. 
Aber jetzt bin ich wieder zurück.
Und ich möchte Sie kennen·lernen. 
Ich bin der junge Chef. 
Und Sie sind bestimmt die neue Schneiderin?
Also unsere neue Mitarbeiterin? 
Wir sind hier eine moderne Firma.
Alle Mitarbeiterinnen gehören zu unserer Familie. 

Ich gucke den jungen Chef lange an

Der junge Chef ist etwa 25 Jahre alt. 
Er hat eine helle Stimme.
Er spricht wie eine Frau.
Und er hat ein Gesicht wie eine Frau. 
Er hat nämlich sehr glatte Haut.
Also keinen Bart.
Aber auf einmal sehe ich:
Der junge Chef hat einen braunen Fleck am Hals.
Der Fleck ist groß. 
Er sieht aus wie ein Mutter·mal. 
Der junge Chef hat das gleiche Mutter·mal wie mein Baby-Nina.
Und wie ich.

Und ich glaube:
Der junge Chef sieht auch mein Mutter·mal.
An meinem Hals.
Der junge Chef guckt nämlich auf meinen Hals.
Aber der junge Chef sagt dazu nichts.
Aber er denkt bestimmt:
Wir haben beide das gleiche Mutter·mal.

Der junge Chef geht wieder weg.
Er sagt:
Ich muss jetzt in mein Büro.
Ich war lange im Urlaub.
Deshalb muss ich viel arbeiten. 
Das Büro ist in der Firma.

Ich denke wieder an mein Baby-Nina 

Vielleicht lebt Nina bei anderen Menschen? 
Dann ist Nina jetzt eine junge Frau.
Sie ist 25 Jahre alt. 
Sie ist so alt wie der junge Chef.

Vielleicht ist der junge Chef mein Baby-Nina? 
Aber der junge Chef ist ein Mann. 
Er hat gesagt:
Er ist der junge Chef. 
Und keine junge Chefin.
Der junge Chef ist bestimmt nicht mein Baby-Nina.
Er hat nur das gleiche Mutter·mal am Hals.

Ich arbeite mit vielen Frauen in der Firma 

Die Frauen sind meine Kolleginnen. 
Wir arbeiten in einer großen Halle.
Wir nähen viele Teile für Hosen.
Und für Blusen.
Wir alle sind die Mitarbeiterinnen vom jungen Chef. 
Von der alten Chefin. 
Und vom alten Chef. 
Aber auf einmal fragt mich eine Kollegin:
Und wie gefällt dir der junge Chef?

Da sage ich:
Der junge Chef sieht aus wie mein Baby-Nina.

Da fragt die Kollegin:
Aber warum?

Da sage ich:
Der junge Chef hat das gleiche Mutter·mal wie Nina.
Und wie ich.
Aber Nina ist weg. 
Ein Mensch hat Nina entführt. 
Da war sie noch ein Baby. 
Ein Mensch hat Nina aus dem Kinder·wagen geholt.
Und mitgenommen. 
Ich habe geschlafen.
Und es nicht gemerkt. 
Das war vor 25 Jahren.
Aber der junge Chef ist ein Mann.
Er ist bestimmt nicht mein Baby-Nina.
Mein Baby-Nina war ein Mädchen. 
Und jetzt ist sie eine junge Frau.

Ich zeige der Kollegin mein Mutter·mal

Und mir laufen wieder Tränen über mein Gesicht.
Ich bin wieder traurig.
Und ich weine. 

Da sagt die Kollegin:
Das tut mir sehr leid.
Das war bestimmt sehr schlimm für dich.
Aber da gibt es etwas.
Das will ich dir erzählen.
Vielleicht ist es wichtig?
Viele Kolleginnen glauben nämlich:
Der junge Chef ist in Wirklichkeit eine Frau.
Aber keine Kollegin will ihn das fragen. 
Das traut sich keine.

Da sage ich:
Aber warum glauben das viele Kolleginnen?
Bitte erzähle es mir.
Vielleicht ist es wirklich wichtig?
Vielleicht ist der junge Chef doch mein Baby-Nina?

Und die Kollegin erzählt:

Es war vor 25 Jahren.
Da hat die alte Chefin den alten Chef geheiratet.
Da war die alte Chefin noch jung.
Und sie hat ein Baby erwartet.
Der alte Chef war der Papa von dem Baby. 

Dann war der alte Chef auf einer Reise.
Er musste in ein anderes Land.
Er musste nämlich Stoffe kaufen.
Damit wir Kolleginnen viele Teile
von Hosen und Blusen nähen können. 

Der alte Chef war lange weg.
Er war 6 Wochen weg.
Und die alte Chefin hat in dieser Zeit das Baby bekommen. 
Die alte Chefin hat das Baby alleine bekommen. 
Es war kein Mensch dabei.
Und die alte Chefin war auch nicht im Kranken·haus.
Sie hat das Baby zu Hause bekommen. 
Im Schlafzimmer. 

Die alte Chefin und der alte Chef wohnen in der Firma.
Da wohnen sie schon immer.
Da haben sie ihre Wohnung. 
Und da ist auch das Schlafzimmer. 

Die alte Chefin war 3 Tage im Schlafzimmer. 
Und sie hat keine Menschen in das Schlafzimmer rein gelassen. 
Sie hat die Tür mit einem Schlüssel abgeschlossen. 
Sie hat mit keinem Menschen gesprochen. 
Und sie hat das Baby keinem Menschen gezeigt.

Dann ist die alte Chefin weg·gegangen.
Und sie hat das Baby mitgenommen. 
Das Baby war in eine Decke gewickelt. 
Das heißt:
Viele Kolleginnen haben die Decke gesehen.
Aber keine Kollegin hat das Baby gesehen.
Und keine Kollegin hat gewusst:
Wo ist die alte Chefin mit dem Baby hingegangen?

Dann ist die alte Chefin zurück·gekommen. 
Das Baby war immer noch in die Decke gewickelt. 
Da hat die alte Chefin zu vielen Kolleginnen gesagt:
Das Baby ist ein Junge. 
Und er ist gesund.

Viele Kolleginnen haben nämlich gewusst:
Der alte Chef hat sich so sehr einen Jungen gewünscht. 
Der Junge soll später die Firma bekommen. 
Er wird dann der junge Chef.
Das hat der alte Chef oft gesagt.

Der alte Chef ist nach 6 Wochen von der Reise zurück·gekommen.
Da hat er das Baby gesehen.
Und dann haben wir Kolleginnen das Baby gesehen.

Das Baby:
Also der Junge ist dann gewachsen.
Er ist dann in den Kinder·garten gekommen.
Und dann in die Schule.
Aber der alte Chef hat oft gesagt:
Der Junge spricht wie ein Mädchen.
Er sieht aus wie ein Mädchen.
Und er benimmt sich oft wie ein Mädchen.

Dann war der Junge 12 Jahre alt.
Da hat er sogar 2 Brüste bekommen.
Wie eine Frau.
Da hat die alte Chefin zu dem alten Chef gesagt:
Es tut mir sehr leid.
Ich habe gelogen.
Der Junge ist doch ein Mädchen.
Aber bitte sei nicht böse auf mich.
Ich habe nämlich gelogen.
Damit du glücklich bist.
Du hast dir doch so sehr einen Jungen gewünscht.

Jetzt ist der junge Chef erwachsen.
Er ist 25 Jahre alt.
Aber er ist eine Frau.
Man sagt also:
Der junge Chef ist in Wirklichkeit eine Frau.
Aber er lebt wie ein Mann.
Er hat sich daran gewöhnt.
Die alte Chefin und der alte Chef
haben ihn wie einen Jungen behandelt.
Sie haben ihn wie einen Jungen erzogen.
Deshalb will er jetzt wie ein Mann leben.

Ich muss wieder weinen

Die Tränen laufen über mein Gesicht.
Aber dieses Mal weine ich, weil ich glücklich bin.
Jetzt weiß ich nämlich:
Mein Baby-Nina lebt.
Der junge Chef ist mein Baby-Nina.
Ich habe sie endlich gefunden.

Ich denke viel nach

Jetzt will ich wissen:
Warum lebt mein Baby-Nina bei der alten Chefin?
Und bei dem alten Chef? 
Haben die alte Chefin und der alte Chef mein Baby-Nina entführt? 
Wenn ja:
Warum haben sie das gemacht?
Ich weiß: 
Ein Baby entführen, das ist vom Gesetz verboten. 
Die alte Chefin und der alte Chef müssen bestimmt ins Gefängnis.

Ich will dem jungen Chef so gerne sagen: 
Ich bin seine Mama.
Aber dann sage ich es doch nicht.
Die Kollegin weiß jetzt nämlich:
Der junge Chef ist mein Baby-Nina.
Und die Kollegin sagt: 
Der junge Chef ist sehr glücklich. 
Die alte Chefin und der alte Chef sind gute Eltern.
Sie haben sich viele Jahre um den jungen Chef gekümmert.
Und später bekommt der junge Chef die Firma.
Die Firma ist viel Geld wert.

Lange Zeit später

Ich arbeite immer noch in der Firma.
Ich nähe viele Teile für Hosen.
Und für Blusen.
Und ich sehe den jungen Chef jeden Tag.
Der junge Chef wohnt ja in der Firma.
Und er arbeitet in der Firma.
Und jetzt weiß ich:
Der junge Chef ist mein Baby-Nina.
Ich bin sehr glücklich:
Meiner Nina geht es gut.

Aber dann passiert etwas

Ich sehe den jungen Chef lange Zeit nicht mehr.
Deshalb frage ich die Kollegin in der Firma.
Die Kollegin weiß immer viel:
Über die alte Chefin. 
Über den alten Chef. 
Und über den jungen Chef.
Das weiß ich jetzt. 
Aber heute erzählt die Kollegin ganz besondere Dinge.

Die Kollegin erzählt:

Der junge Chef ist sehr krank.
Sein Blut ist sehr krank.
Der junge Chef ist im Kranken·haus.
Er braucht neues Knochen·mark.
Damit er wieder gesund wird.
 
Die alte Chefin und der alte Chef wollen dem jungen Chef
das Knochen·mark spenden. 
Dann können die Ärzte dem jungen Chef helfen.
Damit er wieder gesund wird.

Aber die Ärzte haben das Knochen·mark untersucht.
Also das Knochen·mark von der alten Chefin.
Und von dem alten Chef.
Und das Knochen·mark passt nicht
Das ist ein Problem.
Das heißt:
Der junge Chef braucht das Knochen·mark von seinen richtigen Eltern.
Sonst muss der junge Chef sterben.

Ich erschrecke 

Ich bin nämlich die richtige Mama von dem jungen Chef. 
Und Ben ist der richtiger Papa.
Aber Ben ist weg.
Wir haben uns vor 25 Jahren getrennt.
Und ich weiß nicht:
Wo ist Ben jetzt? 
Das heißt:
Ich muss dem jungen Chef das Knochen·mark spenden.
Sonst muss er sterben.
Mein Knochen·mark passt bestimmt. 

Die Kollegin erzählt weiter: 

Der junge Chef weiß jetzt:
Die alte Chefin ist nicht seine richtige Mama.
Und der alte Chef ist nicht sein richtiger Papa.
Das ist meistens so,
wenn das Knochen·mark nicht passt.

Jetzt ist der junge Chef sehr traurig. 
Er braucht neues Knochen·mark.
Und er will wissen:
Wer ist seine richtige Mama?
Und wer ist sein richtiger Papa?

Und der alte Chef ist zornig auf die alte Chefin.
Er hat sehr laut geschrien.
Er hat zu der alten Chefin gesagt:
Ich lasse mich scheiden.
Ich will nicht mehr mit dir verheiratet sein.
Du hast die ganze Zeit gelogen.
Erst sagst du:
Unser Baby ist ein Junge.
Dann ist er ein Mädchen.
Und jetzt ist das Mädchen gar nicht unser Mädchen.
Wer sind die Eltern von dem Mädchen? 
Sag mir das jetzt. 

Der alte Chef hat sehr laut geschrien.
Das haben viele Kolleginnen gehört.
So habe ich es auch gehört.

Die Kollegin erzählt noch viele Dinge.
Und ich frage:
Woher weißt du diese Dinge?
Da sagt die Kollegin: 
Wir Kolleginnen sind doch die Mitarbeiterinnen.
Der junge Chef hat doch selbst gesagt: 
Alle Mitarbeiterinnen gehören zu der Familie. 
Und in einer Familie: 
Da weiß man viele Dinge.

Die Kollegin hat viel erzählt 

Ich will das Knochen·mark gerne spenden. 
Und dem jungen Chef:
Also meiner Nina helfen.

Ich gehe also zu der alten Chefin.
Und zu dem alten Chef.
Sie sind beide im Büro.
Sie arbeiten.
Und ich sage:
Ich bin die richtige Mama von dem jungen Chef. 
Der junge Chef ist mein Baby-Nina. 
Ich glaube nämlich:
Sie haben mein Baby-Nina entführt.
Das war vor 25 Jahren.
Aber Sie brauchen keine Angst haben.
Ich gehe nicht zur Polizei.
Ich will nur meiner Nina helfen.
Und das Knochen·mark spenden. 
Damit Nina wieder gesund wird.

Der alte Chef hört mir zu 

Und ich merke: 
Er will etwas sagen.
Aber da sagt die alte Chefin:
Der junge Chef ist nicht Ihr Baby-Nina. 
Wir haben Ihr Baby-Nina nicht entführt. 
Bitte gehen Sie weg.

Die alte Chefin schickt mich also weg

Ich glaube, sie hat trotzdem Angst.
Sie denkt bestimmt:
Vielleicht muss sie ins Gefängnis?
Und der alte Chef auch.
Aber der junge Chef ist sehr krank.
Es geht ihm sehr schlecht.
Und die alte Chefin weiß das.
Deshalb ruft sie mich nach einiger Zeit zurück.
Ich soll wieder ins Büro kommen.

Und dann erzählt die alte Chefin:

Der junge Chef ist doch Ihr Baby-Nina.
Ich habe Ihr Baby-Nina doch entführt. 
Aber das war ich ganz allein.
Der alte Chef:
Also mein Mann weiß das nicht.
Es ist mein Geheimnis.
Das tut mir so leid. 
Das war sehr gemein.
Das darf man nicht tun.
Aber ich war damals sehr traurig. 
Ich habe nämlich auch ein Baby bekommen. 
Ich habe mein Baby zu Hause bekommen. 
Im Schlafzimmer. 
Und mein Baby war von Anfang an tot.
Es ist tot geboren. 

Ich war dann 3 Tage bei dem toten Baby.
Die Tränen sind mir über mein Gesicht gelaufen. 
Ich habe viel geweint.
Ich habe keinen Hunger gehabt. 
Und keinen Durst.
Ich war nämlich so traurig. 
Und der alte Chef war auf einer Reise.
Also mein Mann war lange weg.
Er ist der Papa von dem toten Baby.
Er hat sich so sehr einen Jungen gewünscht. 
Aber der Junge war tot.

Ich habe keinem Menschen gesagt:
Mein Baby ist tot.
Ich habe das Baby in eine Decke gewickelt. 
Ich bin in den Wald gegangen.
Da habe ich ein Loch in den Boden gemacht.
Und das Baby rein gelegt.
Das Baby ist im Wald begraben.
Die Decke habe ich wieder mitgenommen. 
Damit keine Menschen wissen:
Wem gehört das tote Baby?
Auf der Decke steht nämlich der Name von unserer Firma. 

Dann bin ich in den Park gegangen. 
Ich hatte starke Tabletten dabei. 
Ich wollte mich auf eine Bank setzen. 
Und die Tabletten nehmen.
Damit ich sterbe.
So wie mein Baby.

Aber auf der Bank hat eine Frau geschlafen. 
Sie waren diese Frau.
Und unter einem Baum war ein Kinder·wagen. 
Da hat ein Baby drin geschlafen.
Das war Ihr Baby-Nina. 

Ich habe Ihr Baby gesehen. 
Es war so schön.
Ich habe das Baby gestreichelt.
Da hat es die Augen aufgemacht. 
Und es wollte schreien, weil es Hunger hatte.
Und Durst.

Ich habe das Baby aus dem Kinder·wagen genommen. 
Und an meine Brust gehalten. 
Ich habe nämlich Milch gehabt. 
In meiner Brust.
Die Milch war für mein Baby.
Ich habe die Milch Ihrem Baby gegeben.
Es hat die Milch getrunken.
Ich war so glücklich. 
Und Sie haben die ganze Zeit auf der Bank geschlafen.
Da habe ich das Baby mitgenommen.
Also Ihr Baby-Nina entführt. 

Und ich habe vielen Mitarbeiterinnen erzählt.
Also vielen Kolleginnen in der Firma:
Wir Chefs haben ein Baby bekommen.
Nina ist unser Baby.
Und sie ist ein Junge. 
Weil unser Baby auch ein Junge war.
Und der Junge tot war. 

Aber ich will alles wieder gut machen.
Auch wenn ich ins Gefängnis muss.
Ich liebe Ihr Baby-Nina.
Wie mein eigenes Kind.
Und jetzt ist Ihr Baby-Nina sehr krank.
Nina braucht Ihr Knochen·mark.
Sonst muss sie sterben.
Das will ich nicht.
Gehen Sie jetzt zu Nina.
Und sagen Sie ihr:
Sie sind ihre richtige Mama.

Ich gehe also zu Nina ins Kranken·haus

Und wieder laufen mir Tränen über mein Gesicht.
Diesmal bin ich sehr glücklich.
Aber auch sehr traurig.

Ich erzähle Nina, wie sie entführt wurde.
Und ich zittere dabei am ganzen Körper.
Ich habe nämlich Angst.
Vielleicht will mich Nina nicht als Mama haben?
Vielleicht ist sie böse auf mich, weil ich geschlafen habe.
Und nicht aufgepasst habe.
Als die alte Chefin sie entführt hat.

Aber Nina freut sich

Sie sagt:
Ich habe das Mutter·mal gesehen.
An deinem Hals.
Da habe ich gedacht:
Wir haben das gleiche Mutter·mal. 
Wir kommen bestimmt aus einer Familie. 
Ich freue mich:
Du bist meine Mama.
Und ich will jetzt auch kein Mann mehr sein.
Ich fühle mich das erste Mal wie eine Frau.
Ich fühle nämlich:
Du bist meine Mama.
Und du liebst mich, so wie ich wirklich bin.

Ich nehme Nina in den Arm

Ich drücke sie fest an mich.
Jetzt laufen uns viele Tränen über das Gesicht. 
Wir weinen beide.
Wir sind nämlich sehr glücklich. 

Und die Ärzte untersuchen mein Knochen·mark.
Das Knochen·mark passt.
Ich kann dem jungen Chef:
Also Nina das Knochen·mark spenden. 

Nina wird wieder gesund. 
Und sie bekommt die Firma. 
Das heißt:
Der alte Chef gibt Nina die Firma.
Er liebt Nina wie sein eigenes Kind.

Und ja:
Die alte Chefin muss ins Gefängnis. 
Aber sie ist sehr glücklich, weil Nina wieder gesund wird.