Katja und Steffi sind verschieden

Das ist eine Geschichte in Leichter Sprache. 
Die Geschichte geht so: 

Katja und Steffi sind 2 Frauen.
Sie sind Freundinnen.
Sie sind beide 50 Jahre alt.
Aber sie sind sehr verschieden. 

Katja und Steffi kennen sich lange Zeit. 
Sie sind zusammen in die Schule gegangen. 
Katja und Steffi waren immer gleich. 
Aber dann haben sich beide verändert. 

Das war so:

Katja und Steffi sind beide 6 Jahre alt

Sie sind noch klein. 
Sie sind noch Kinder.

Katja und Steffi gehen beide in die Schule. 
Sie gehen zusammen in eine Klasse. 
Von der 1. Klasse bis zur 4. Klasse. 
Also 4 Jahre lang. 
Die Schule nennt man Grund·schule. 

Katja und Steffi streiten sich oft. 
Aber dann sind sie Freundinnen. 

Mittags ist keine Schule

Katja geht oft zu Steffi nach Hause. 
Katja und Steffi wollen zusammen spielen.
Aber die Eltern von Steffi sind streng. 
Die Eltern schimpfen viel. 
Denn Steffi muss für die Schule lernen. 
Jeden Mittag.

Steffi darf wenig spielen.
Sie muss Schul·arbeiten machen. 
Und dann muss Steffi noch mal lernen.
Die Eltern geben Steffi nämlich auch noch Schul·arbeiten. 
Dabei sind die Eltern keine Lehrer.

Steffi weint oft

Sie will nicht für die Schule lernen.
Sie will mit Katja spielen. 

Katja ist die ganze Zeit bei Steffi dabei. 
Aber Katja kann Steffi nicht helfen. 
Denn Katja ist in der Schule schlecht.

Aber Katja tröstet Steffi. 
Das kann Katja gut.
Katja nimmt Steffi in den Arm.
Katja sagt dann: 
Nicht weinen. 
Du kannst die Schul·arbeiten bestimmt.
Ich warte auf dich. 
Und dann spielen wir zusammen. 

Katja muss auch Schul·arbeiten machen 

Aber Katja macht die Schul·arbeiten nicht.
Oder sie macht die Schul·arbeiten schlecht. 
Dann sind die Schul·arbeiten falsch. 
Katja kann die Schul·arbeiten nicht machen. 
Die Schul·arbeiten sind zu schwer. 

Die Eltern von Katja schimpfen auch. 
Aber die Eltern schimpfen nur manchmal. 
Und dann darf Katja spielen gehen.

Oder die Eltern wollen Katja helfen. 
Aber Katja versteht die Schul·arbeiten trotzdem nicht
Deshalb macht Katja keine Schul·arbeiten. 
Oder sie macht die Schul·arbeiten schlecht. 

Nach langer Zeit:
Katja und Steffi gehen nicht mehr in die·selbe Schule. 

Katja geht jetzt in die Haupt·schule

Die Haupt·schule ist eine andere Schule. 
Katja lernt nur wenige Dinge. 
Aber sie ist in der Haupt·schule trotzdem schlecht. 

Katja macht im Unterricht nicht mit. 
Sie fragt den Lehrer nichts.
Oder manchmal fragt der Lehrer etwas.
Dann sagt Katja auch nichts
Sie guckt dann weg. 
Sie guckt den Lehrer nicht an. 
Damit der Lehrer Katja in Ruhe lässt. 
Der Lehrer fragt dann ein anderes Kind. 

Und Katja macht die Schul·arbeiten zu Hause nicht
Katja sagt zu den Eltern: 
Der Lehrer hat mir keine Schul·arbeiten gegeben. 
Ich muss keine Schul·arbeiten machen. 

Aber das stimmt nicht
Der Lehrer hat Katja Schul·arbeiten gegeben. 
Aber Katja kann die Schul·arbeiten nicht machen. 
Die Schul·arbeiten sind zu schwer. 

Katja geht lieber weg 

Sie hat jetzt neue Freunde und Freundinnen. 
Alle zusammen sind eine Bande.
Katja trifft sich mit der Bande. 
Jeden Tag.

Katja raucht mit der Bande Zigaretten. 
Sie trinkt Bier und Wein. 
Und die Bande macht laute Musik. 

Katja fühlt sich bei der Bande nicht wohl.
Aber sie geht trotzdem hin.
Denn sie will nicht alleine sein.

Und Steffi geht jetzt ins Gymnasium

Das spricht man so: Güm-na-si-um.
Das Gymnasium ist auch eine andere Schule. 
Steffi lernt sehr viele Dinge. 

Steffi will das Abitur machen. 
Das Abitur ist ein besonderes Zeugnis. 

Steffi muss für das Abitur viel lernen. 
Sie muss viele Arbeiten schreiben.
Sie muss die Arbeiten bestehen. 
Dann besteht sie das Abitur. 

Steffi kann mit dem Abitur viel machen:
Sie kann studieren.
Sie kann einen guten Beruf lernen. 
Sie kann auf eine Hoch·schule gehen. 
Das ist eine andere gute Schule.
Oder Steffi kann arbeiten gehen.

Steffi ist im Gymnasium sehr gut. 
Sie macht im Unterricht viel mit. 
Sie fragt den Lehrer sehr viel.
Und der Lehrer fragt Steffi sehr viel. 
Steffi weiß immer gleich die Antwort. 
Und Steffi sagt auch von selbst die Antwort. 
Dabei hat der Lehrer Steffi nicht gefragt. 
Die Antwort von Steffi ist immer richtig. 
Steffi bekommt gute Noten. 
Das heißt: 
Steffi besteht das Abitur bestimmt.

Katja und Steffi treffen sich in der Bahn 

Sie sind jetzt beide 15 Jahre alt.
Sie haben sich lange Zeit nicht gesehen. 
Denn sie gehen in verschiedene Schulen. 
Katja geht in die Haupt·schule. 
Und Steffi geht ins Gymnasium. 

Katja und Steffi verabreden sich. 
Sie wollen sich mal wieder treffen. 

Katja nimmt Steffi mit zu der Bande

Aber die Bande lacht über Steffi. 
Denn Steffi ist anders. 

Steffi geht ins Gymnasium. 
Deshalb spricht sie anders.
Steffi benutzt zum Sprechen andere Wörter. 
Die Bande benutzt diese Wörter nicht

Die Bande, denkt: 
Steffi ist hochnäsig. 
Das heißt: 
Steffi will schlauer sein als die Bande. 
Und das mag die Bande nicht
Deshalb mag die Bande Steffi nicht.

Und Steffi nimmt Katja auch mal mit 

Sie gehen zusammen zu den Freundinnen von Steffi.
Aber Katja versteht nicht:
Was sagen die Freundinnen? 
Katja kann nicht mitreden.

Die Freundinnen von Steffi lachen. 
Die Freundinnen denken: 
Katja ist dumm. 
Sie weiß nichts
Sie hat zu wenig Allgemein·wissen. 
Zum Beispiel:
Mit Katja kann man nicht über Politik sprechen. 

Dabei ist Katja nicht dumm.
Sie kann ganz andere Dinge gut. 

Katja und Steffi treffen sich dann lange nicht mehr. 
Sie denken beide:
Wir haben uns beide verändert. 
Eine Freund·schaft klappt nicht

Aber dann nach langer Zeit:
Katja und Steffi sehen sich wieder. 

Das war so:

Katja ist mit der Haupt·schule fertig 

Sie hat keinen Beruf gelernt. 
Sie geht jetzt ohne Beruf arbeiten. 
Schon lange Zeit.

Katja arbeitet in einer Fabrik. 
Sie verdient wenig Geld. 
Sie muss schwere Sachen heben. 
Zum Beispiel: 
Kisten und Säcke. 
Das ist sehr anstrengend. 

Katja ist von der Arbeit immer müde. 
Und alle Knochen tun ihr weh. 
Die Knochen sind schon kaputt. 
Katja muss oft zum Arzt. 

Katja denkt oft an Steffi

Katja denkt oft:
Was macht Steffi jetzt?
Bestimmt hat sie eine gute Arbeit.
Einen guten Beruf. 
Steffi hat immer gesagt: 
Sie will Anwältin werden. 
Dann verdient Steffi viel Geld. 
Steffi arbeitet dann in einem Büro.
Sie sitzt vor einem Computer.
Und sie spricht mit vielen Menschen. 
Die Knochen von Steffi sind bestimmt noch ganz. 
Denn Steffi muss keine schweren Sachen heben.
Aber vielleicht hat Steffi ganz andere Krankheiten. 
Und Probleme?

Katja hat jetzt ein Auto

Sie ist jetzt 50 Jahre alt.
Sie hat den Führer·schein gemacht. 
Damit sie das Auto fahren darf.
Der Führer·schein ist ein wichtiges Papier.

Katja ist in eine Fahr·schule gegangen. 
Das ist auch eine Schule.
Katja war lange Zeit in der Fahr·schule. 
Katja hat lange gelernt:
Wie fährt sie Auto?
Das war schwer.
Aber Katja will unbedingt ein Auto.
So hat sie den Führer·schein geschafft. 
Mit dem Führer·schein darf sie Auto fahren.

Und dann hat Katja lange in der Fabrik gearbeitet. 
Sie hat Geld verdient.
Und sie hat das Geld gespart. 
Und dann hat Katja das Auto gekauft. 
Jetzt hat Katja ein Auto.

Aber dann passiert etwas: 

Katja hat einen Unfall 

Ein Mann macht das Auto von Katja kaputt.
Der Mann hat auch ein Auto.
Er fährt mit seinem Auto 
an das Auto von Katja. 
Das Auto von Katja ist jetzt kaputt. 

Katja hat ein Handy.
Sie ruft die Polizei an. 
Die Polizei kommt. 
Aber Katja braucht noch einen Anwalt. 
Der Mann sagt nämlich:
Katja ist an dem Unfall schuld.
Und Katja sagt:
Der Mann ist an dem Unfall schuld. 

Katja guckt im Internet

Sie sucht einen Anwalt.
Oder eine Anwältin?

Katja findet eine Anwältin. 
Katja ruft bei der Anwältin an.
Aber die Anwältin geht nicht selbst ans Telefon. 
Eine Helferin vom Büro geht ans Telefon. 
Die Helferin ist eine Sekretärin. 

Katja bekommt einen Termin.
Sie kann heute Mittag mit der Anwältin sprechen.

Katja kann der Anwältin sagen:
Wie ist der Unfall passiert?
Vielleicht kann die Anwältin helfen. 

Katja denkt:
Der Mann war an dem Unfall schuld. 
Das Auto ist jetzt kaputt.
Ich muss das Auto reparieren lassen. 
Und das kostet viel Geld.
Der Mann soll das Geld bezahlen. 

Katja ist bei der Anwältin

Katja wartet in einem Zimmer. 
Die Anwältin hat viel zu tun.
Aber dann kommt die Anwältin.

Katja sieht die Anwältin. 
Katja denkt:
Aber die Anwältin ist doch Steffi?

Die Anwältin sieht Katja auch.
Die Anwältin denkt:
Aber die Frau ist doch Katja?

Katja und Steffi erkennen sich gleich. 
Sie freuen sich beide.
Sie sehen sich wieder.

Die Anwältin-Steffi hilft Katja.
Der Mann muss wirklich das Geld vom Auto bezahlen. 
Der Mann war am Unfall schuld.
Katja ist jetzt sehr froh.
Steffi hat Katja gut geholfen.

Aber Katja hilft auch Steffi 

Steffi hat eine gute Arbeit. 
Sie ist jetzt Anwältin.
Und sie verdient viel Geld.
Aber sie ist trotzdem nicht glücklich. 

Denn Steffi hat viele Probleme. 
Sie hat 2 Krankheiten.
Die eine Krankheit heißt:
Depressionen.
Und die andere Krankheit heißt:
Burnout.
Das spricht man so: Börn-aut.

Die 2 Krankheiten machen Steffi sehr schwach. 
Und sehr traurig. 
Die 2 Krankheiten sind sehr schlimm.
Sie gehen von alleine nicht weg.
Aber Steffi will nicht zum Arzt gehen.
Sonst muss Steffi vielleicht in ein Kranken·haus. 
Oder sie kann dann sehr lange nicht mehr als Anwältin arbeiten. 
Und das will Steffi nicht.

Steffi hat jetzt viele Freundinnen. 
Aber die Freundinnen haben keine Zeit. 
Sie arbeiten viel.
Sie sind alle selbst·ständig. 
Sie haben eine eigene Firma.
Oder eine eigene Praxis.
Denn manche Freundinnen sind Ärztinnen.

Steffi spricht mit den Freundinnen nicht über die 2 Krankheiten.
Die Freundinnen sollen nicht wissen:
Steffi ist krank.
Sie ist schwach. 

Steffi spricht mit den Freundinnen:
Über Politik. 
Über die Arbeit.
Über den Urlaub.
Über Sachen zum Einkaufen.

Steffi zeigt sich bei den Freundinnen immer sehr stark.
Aber Steffi ist schwach.
Steffi hat Angst:
Die Freundinnen lachen über sie. 
Oder die Freundinnen wollen dann keine Freundinnen mehr sein.
Wenn Steffi schwach ist.
Und krank.

Steffi weiß:
Nur Katja ist anders.
Katja war immer die Freundin von Steffi.
Auch wenn Steffi etwas nicht kann. 
Zum Beispiel:
Die Schul·arbeiten vor langer Zeit. 
Da hat Katja immer auf Steffi gewartet.
Und Steffi getröstet.
Wenn Steffi geweint hat.
Steffi kann Katja alles sagen.
Katja lacht nicht über Steffi.
Katja ist ein sehr lieber Mensch.

Steffi hat oft an Katja gedacht

Steffi denkt schon sehr lange:

Was macht Katja jetzt?
Geht es ihr gut?
Hat sie die Haupt·schule geschafft?
Hat sie dann einen Beruf gelernt?
Oder geht sie ohne Beruf arbeiten?
Oder arbeitet Katja vielleicht gar nicht?
Geht sie noch zu der Bande? 
Raucht sie noch viele Zigaretten?
Trinkt sie viel Bier und Wein?
Diese Bande ist für Katja sehr schlecht.

Steffi ist sehr froh:
Sie sieht Katja jetzt wieder.
Und Katja ist auch sehr froh:
Sie sieht Steffi wieder.

Steffi sagt Katja alle Probleme

Katja hört Steffi lange zu.
Katja nimmt Steffi in den Arm.
Wie früher bei den Schul·arbeiten.

Jetzt weint Steffi sogar.
Sie hat lange nicht geweint. 
Nur früher bei den Schul·arbeiten.

Jetzt darf Steffi schwach sein.
Sie muss keine Anwältin sein.
Sie ist jetzt einfach nur Steffi.
Und das tut Steffi gut.

Steffi hört auf zu weinen

Da sagt Katja:
Ich bin auch nicht glücklich.
Ich war immer schlecht in der Schule.
Jetzt muss ich in einer Fabrik arbeiten.
Ich habe keinen Beruf gelernt.
Ich kann nicht selbst·ständig sein.
Ich kann keine Firma haben.
Und keine Praxis.
Ich kann bei vielen Menschen nicht mitreden.
Das tut mir immer sehr weh. 
Dabei möchte ich nur glücklich sein. 
Und dazu gehören. 
Und zu der Bande gehe ich lange Zeit nicht mehr.
Da war ich nur sehr kurz. 
Als ich 15 Jahre alt war.

Da sagt Steffi:
Aber du bist trotzdem meine beste Freundin.
Du bist immer für mich da.
Du brauchst nicht mehr in der Fabrik arbeiten.
Du kannst jetzt bei mir arbeiten.
Ich zeige dir:
Wie geht alles?
Du lernst das.
Du schaffst das.
Und jetzt nimmt Steffi Katja in den Arm.
Da ist Katja sehr glücklich.

Katja und Steffi bleiben immer Freundinnen 

Sie arbeiten jetzt zusammen.
Und sie treffen sich auch so wieder sehr oft.
Katja und Steffi helfen sich gegen·seitig.

Beide merken:
Sie können zusammen lachen. 
Sie können zusammen weinen.
Sie können sich alles sagen.
Und das ist für eine Freund·schaft wichtig.

Katja merkt:
Sie will nicht mehr ganz unten sein. 
Jetzt gibt es das Internet. 
Das hat es früher nicht gegeben. 
Katja kann mit dem Internet viel lernen.
Das Internet hilft Katja gut.
Und Steffi hilft Katja auch sehr gut.

Und Steffi merkt: 
Sie will nicht mehr ganz oben sein.
Sie will ein normaler Mensch sein. 
Und ihre Gefühle offen zeigen.
Wie Katja.

Die beiden Freundinnen treffen sich in der Mitte.
Das heißt:
Katja und Steffi sind gar nicht mehr so verschieden. 
Sie fühlen bei vielen Dingen gleich. 

Das ist das Ende von der Geschichte.