Leber·wurst im Kinder·garten

Das ist eine Geschichte in Einfacher Sprache:

Ich heiße Pia.
Ich bin ein Mädchen. 
Und ich bin 5 Jahre alt. 

Meine Mama bringt mich morgens in den Kinder·garten.
Ich will nicht hingehen. 
Aber ich muss. 

Mama bringt mich heute wieder in den Kinder·garten. 
Wir laufen zum Kinder·garten.
Wir gehen noch über eine Straße.
Dann sind wir da.

Mama gibt mich im Kinder·garten ab.
Dann geht sie weg.

Aber ich bin anders als andere Kinder 

Ich will nicht im Kinder·garten bleiben. 
Ich laufe weg.
Ich laufe meiner Mama hinterher.
Also wieder über die Straße.

Mama sagt oft:
Ich darf nicht alleine über die Straße laufen.
Das ist gefährlich. 
Das weiß ich.
Aber ich mache es trotzdem. 

Ich passe ja auf.
Ich gucke erst rechts und links.
Und dann noch mal rechts und links.
Es kommt kein Auto?
Kein Fahrrad?
Und kein Motorrad?
Die Straße ist frei?
Dann laufe ich schnell über die Straße. 

Da hinten ist Mama

Ich rufe laut: Mama.
Mama dreht sich um.
Jetzt sieht sie mich.
Sie wird ganz weiß im Gesicht.
Und sie schimpft.
Mama hat bestimmt Angst.
Weil ich vom Kinder·garten weg·gelaufen bin.
Und alleine über die Straße gelaufen bin.

Mama bringt mich wieder in den Kinder·garten. 
Ich will nicht.
Ich sage: Nein.
Aber Mama bringt mich trotzdem hin.

Jetzt bin ich wieder im Kinder·garten

Bestimmt spielen wir wieder so ein Spiel. 
Da sitzen alle Kinder auf den Stühlen. 
Im Kreis.
Die Kinder·gärtnerin sucht einige Kinder aus.
Diese Kinder müssen dann etwas machen. 

Das mag ich gar nicht
Ich bin anders als andere Kinder. 
Ich will da nicht mitspielen. 
Vielleicht mache ich etwas falsch? 
Dann lachen die anderen Kinder über mich.
Oder die Kinder·gärtnerin fragt mich etwas?
Dann muss ich antworten. 
Das hören alle Kinder. 
Und dann schäme ich mich.
Deshalb spreche ich immer ganz leise.
Und meine Stimme wird sehr hell.

Alle Kinder sagen:
Ich bin schüchtern. 
Ich hasse das Wort schüchtern. 
Ich bin nur im Kinder·garten schüchtern. 
Zu Hause bin ich gar nicht schüchtern. 
Aber das wissen die anderen Kinder nicht

Aber egal. 
Ich weiß:
Die anderen Kinder können mich nicht leiden.
Weil ich anders bin.
Weil ich im Kinder·garten schüchtern bin.
Ich will nicht mitspielen. 
Ich will lieber ein Bild malen.
Das kann ich schon ganz alleine.

Jetzt habe ich eine Idee

Ich sage:
Ich bin müde.
Und mir geht es schlecht. 
Dann darf ich mich bestimmt hinlegen.
Und mich mit einer Decke zudecken.
Dann muss ich nicht mitspielen. 

Oh je:
Jetzt stellt die Kinder·gärtnerin schon viele Stühle hin.
Für den Kreis.
Wir spielen also wirklich wieder so ein Spiel. 
Jetzt muss ich schnell sagen:
Ich bin müde. 
Und mir geht es schlecht. 
Sonst muss ich mitspielen.

So geschafft:
Ich habe gefragt.
Ich darf mich hinlegen.
Und mich mit einer Decke zudecken. 
Die Kinder·gärtnerin hat es erlaubt.

Aber im Kinder·garten gibt es kein Bett

Deshalb lege ich mich auf einen Tisch.
Ich decke mich zu.
Und ich ziehe die Decke über den Kopf. 

Jetzt sitzen die anderen Kinder auf den Stühlen. 
Im Kreis. 
Ich sehe die anderen Kinder nicht.
Aber ich höre sie.
Sie sind in einem anderen Zimmer. 
Und sie spielen das Spiel.

Zum Glück bin ich nicht dabei.
Zum Glück liege ich auf dem Tisch. 
Und ich bin zugedeckt.
So bin ich entspannt. 

Jetzt sind die anderen Kinder fertig mit dem Spiel

Jetzt kann ich wieder aufstehen.
Bestimmt darf ich jetzt ein Bild malen.
Ich frage die Kinder·gärtnerin. 
Und sie sagt: Ja.

Die Kinder·gärtnerin gibt mir Stifte und Papier.
Ich will gleich anfangen.
Ich will ein Haus malen.
Eine Maus.
Und einen Birn·baum.
Mit vielen leckeren Birnen dran.

Ich will in eine Ecke vom Zimmer gehen.
Da steht ein kleiner Tisch. 
Und ein Stuhl. 
Da bin ich am liebsten. 
Da bin ich nämlich ganz allein.
Da will ich mich hinsetzen. 
Und mein Bild malen.

Aber was ist das?

Die Kinder·gärtnerin ruft mich.
Ich soll an den großen Tisch kommen. 
Da stehen jetzt viele Stühle.
Das sind die Stühle vom Kreis.
Da sitzen jetzt die anderen Kinder.

Die Kinder·gärtnerin sagt:
Pia, komm zu uns.
An den großen Tisch.
Ich helfe dir dein Bild malen.
Setz dich auf meinen Schoß. 

Und die Kinder·gärtnerin hebt mich hoch. 
Jetzt sitze ich an dem großen Tisch. 
Bei der Kinder·gärtnerin auf dem Schoß. 
Und nahe bei den anderen Kindern.
Ich will das nicht
Aber ich muss sitzen bleiben.

Dann nimmt die Kinder·gärtnerin meine Hand.
Mit meinem Stift. 
Die Kinder·gärtnerin malt mit mir viele Striche auf das Papier.
Und sie sagt dabei:
Das ist das Haus vom Nikolaus. 
Die Striche sind dann das Haus vom Nikolaus.

Aber die Kinder·gärtnerin isst auch noch eine Scheibe Brot.
Das Brot liegt auf dem großen Tisch. 
In einer Dose.
Und auf dem Brot ist Leber·wurst drauf.

Ich hasse Leber·wurst 

Die Leber·wurst stinkt nämlich. 
Jetzt rieche ich die ganze Zeit die Leber·wurst.
Ich rieche die Leber·wurst auf dem Brot.
Und die Kinder·gärtnerin riecht auch nach Leber·wurst. 
Und zwar aus dem Mund.
Die Kinder·gärtnerin sitzt nämlich nahe bei mir.
So will ich kein Haus malen.
Und auch keine Maus.
Und keinen Birn·baum.
Mit vielen leckeren Birnen dran.

Jetzt ist es mir wirklich schlecht.
Weil die Leber·wurst so stinkt.
Ich will aufstehen.
Und weg·laufen.
Aber die Kinder·gärtnerin sagt:
Pia, bleib sitzen.
Und zapple nicht so.

Dann haben wir das Haus gemalt 

Und ich denke: 
Endlich sind wir fertig.
Aber da sagt die Kinder·gärtnerin:
Jetzt malen wir noch einige Häuser vom Nikolaus.
Damit du das richtig gut lernst.
Und den Birn·baum mit den Birnen:
Den malen wir auch noch.
Und die Kinder·gärtnerin isst noch eine Scheibe Brot.
Mit Leber·wurst. 
Die Kinder·gärtnerin malt mit mir wieder viele Striche auf das Papier. 
Und sie sagt dabei immer wieder:
Das ist das Haus vom Nikolaus. 
Und ich rieche die ganze Zeit die Leber·wurst.

Mir ist so schlecht.
Ich will immer wieder aufstehen. 
Und weg·laufen. 
Weil die Leber·wurst so stinkt.
Aber die Kinder·gärtnerin hält mich fest.
Damit ich mein Bild male.

Aber dann sind wir endlich fertig.
Ich darf aufstehen. 
Und Mama holt mich vom Kinder·garten ab.
Was ein Glück. 
Der Kinder·garten ist vorbei.