Neue Schuhe und ein trauriges Kalb

Das ist eine Geschichte in Einfacher Sprache:

Saskia ist eine junge Frau. 
Sie ist 18 Jahre alt. 

Saskia braucht neue Schuhe. 
Deshalb geht sie in ein Geschäft. 
Das Geschäft ist in der Stadt. 

Saskia sieht schöne Schuhe. 
Die Schuhe haben einen hohen Absatz. 
Das heißt:
Die Schuhe machen Saskia viel größer. 
Saskia zieht die Schuhe an?
Dann ist sie viel größer. 

Saskia hat enge Jeans an.
Da passen die Schuhe gut dazu.
Saskia gefallen die Schuhe.
Deshalb kauft sie die Schuhe. 

Saskia lässt die Schuhe gleich an.
Und sie geht aus dem Geschäft raus.

Saskia läuft mit den Schuhen einige Zeit. 
Aber auf einmal gibt es Probleme. 
Saskia tun die Füße weh.
Die Schuhe sind nämlich neu.
Deshalb drücken die Schuhe. 

Saskia ist jetzt in einem Park 

Sie sieht eine Bank. 
Saskia bleibt stehen. 
Und sie setzt sich auf die Bank. 

Saskia zieht die Schuhe aus.
Und sie streckt die Beine aus.
Saskia bewegt die Füße.
Und die Zehen.
Das tut so gut.

Aber was ist das?
Saskia hört 2 Stimmen.
Die Stimmen hören sich sehr traurig an.
Die Stimme sagen:
Mama, wo bist du?

Saskia guckt:
Aber sie sieht keine Menschen. 
Saskia denkt: 
Wem gehören die Stimmen?
Wer spricht denn da?

Saskia hört die Stimmen wieder. 
Saskia hört die Stimmen unten.
Bei ihren Füßen. 

Saskia guckt auf den Boden. 
Zu den Schuhen. 

Aber was ist das?

Die Schuhe bewegen sich von alleine. 
Saskia bekommt einen Schreck.

Und was ist das?
Die Schuhe haben ja Augen.
Eine Nase.
Und einen Mund. 
Die Schuhe können sprechen. 
Sie sind sehr traurig. 
Und sie sagen:
Mama, wo bist du?

Saskia weiß:
Die Schuhe sind aus Leder gemacht. 
Leder ist die Haut von einem toten Tier.
Schuhe können doch nicht sprechen. 
Aber diese Schuhe sprechen trotzdem. 

Saskia sagt:
Das gibt es doch nicht
Ihr könnt ja sprechen.

Da sagen die Schuhe:
Ja, wir können sprechen. 
Aber wir haben viele schlimme Dinge erlebt. 
Willst du die Dinge wissen?

Saskia sagt:
Ja, ich will die Dinge wissen.

Und die Schuhe erzählen Saskia diese Geschichte:

Wir Schuhe sind aus Leder gemacht. 
Leder ist die Haut von einem toten Tier. 
Das heißt:
Wir Schuhe sind einmal ein Tier gewesen.
Und zwar ein junges Kalb.
Das ist das Baby von einer Kuh.
Die Kuh war unsere Mama. 
Aber wir haben unsere Mama nur kurz gekannt. 
Es sind nämlich 2 böse Männer gekommen. 
Die bösen Männer haben uns mitgenommen.
Also eigentlich mich.
Das Kalb.
Die bösen Männer haben mich in eine Kiste eingesperrt. 
Da war es innen sehr dunkel. 
Und sehr eng.
Und ich habe viel Angst gehabt. 

Ich hab laut Mama gerufen. 
Und Mama hat mich auch gerufen. 
Sie hat laut nach mir geschrien. 
Aber Mama hat mir nicht geholfen. 

Dann hat sich die Kiste bewegt. 
Und ich habe Mama nicht mehr gehört. 
Ich hab nur die 2 Männer gehört. 
Der eine Mann hat nämlich gesagt:
Jetzt ist das Kalb in der Kiste drin.
Und die Kiste ist im Auto drin. 
Rudi, fahr endlich los. 
Wir müssen uns beeilen. 
Und das Kalb weg·bringen. 

Und der andere Mann hat gesagt:
Ja Klaus:
Metzger Karl wartet sicher schon.
So habe ich gewusst:
Also ich, das Kalb.
Mama kann mich nicht mehr hören. 
Und mir auch nicht helfen. 
Ich war ja in der Kiste drin.
Und die Kiste war in dem Auto drin.
Und die Männer sind mit dem Auto los·gefahren. 
Ich war also schon weit weg von Mama.
Deshalb habe ich nicht mehr geschrien. 

Aber auf einmal war ich sehr traurig 

Und ich habe viel geweint. 
Die 2 Männer sind mit dem Auto lange Zeit gefahren. 
Ich hab viel Durst gehabt. 
Und viel Hunger. 
Und ich habe wenig Luft zum Atmen bekommen. 
In der Kiste war nämlich wenig Luft drin. 

Dann hat das Auto angehalten. 
Und ein anderer Mann hat gesagt:
Hallo Rudi.
Hallo Klaus. 
Endlich seid ihr da.
Habt ihr das Kalb dabei?
Also das Baby von der Kuh?

Und Rudi und Klaus haben gesagt:
Ja, das Kalb ist in der Kiste drin.
Es ist noch sehr jung. 
Es hat eine weiche Haut.
Die Haut gibt bestimmt tolles Leder. 

Ich hab nur das Wort Haut gehört. 
Und das Wort Leder. 
Und ich habe gedacht: 
Was ist Leder?
Was wollen die Männer mit meiner Haut machen?
Hoffentlich tut das nicht weh?

Aber auf einmal hat es einen Ruck gegeben. 
Die Kiste hat sich nämlich wieder bewegt.
Und ein Mann hat gesagt:
Wir bringen die Kiste mit dem Kalb ins Haus.
Da ist eine große Halle.
Da stellen wir die Kiste hin.
Metzger Karl kann das Kalb dann aus der Kiste raus·holen. 

Ich war also jetzt in der großen Halle 

Und ich war immer noch in der Kiste drin. 
Und auf einmal hat ein Mann die Kiste aufgemacht. 
Das war sicher Metzger Karl.
Metzger Karl hat ein Seil genommen. 
Und er hat das Seil an meinen Hals gebunden. 
Und Metzger Karl hat an dem Seil gezogen.
Er hat mich mit dem Seil aus der Kiste raus·gezogen.
Metzger Karl ist mit mir los·gelaufen.
Und Metzger Karl hat mich hinter sich her·gezogen. 
Das hat weh·getan. 
Und Metzger Karl hat dabei geschimpft. 
Ich wollte nämlich nicht laufen.
Ich hab nämlich wieder viel Angst gehabt. 
Denn ich habe nicht gewusst:
Was passiert jetzt? 

Metzger Karl hat dann laut mit mir geschrien.
Und er hat fest an dem Seil gezogen. 
Das Seil war ja an meinem Hals dran.
Und Metzger Karl hat auch noch einen Stock gehabt. 
Er hat mich 2 Mal mit dem Stock geschlagen. 
Und dabei hat Metzger Karl wieder geschimpft. 
Er hat immer wieder gesagt:
Komm endlich mit, du blödes Kalb. 
Damit ich endlich fertig werde.
Edgar will deine Haut nämlich bald zu Leder machen. 

Ich habe nicht gewusst:
Was meint Metzger Karl damit?
Aber schon bald habe ich es gewusst:
Metzger Karl hat mich nämlich getötet. 
Und meine Haut von meinem Körper abgemacht. 
Das hat sehr, sehr weh·getan. 
Metzger Karl hat meine Haut von meinem Körper abgemacht. 
Da hab ich sogar noch gelebt. 
Metzger Karl hat mich nämlich nicht richtig betäubt. 
Ich bin dann von den Schmerzen gestorben. 

Und Edgar hat meine Haut bei Metzger Karl abgeholt. 
Edgar hat aus meiner Haut Leder gemacht. 
Dabei hat Edgar viele Chemikalien benutzt. 
Und viel Wasser schmutzig gemacht. 
Die Chemikalien sind nämlich giftig.
Sie sind ins Wasser rein·gegangen.
Und viele Menschen und viele Tiere haben das Wasser getrunken. 
Sie haben nämlich kein anderes sauberes Wasser mehr gehabt. 

Die Menschen und die Tiere sind von dem schmutzigen Wasser krank geworden. 
Und dann hat Edgar meine Haut verkauft. 
Also Edgar hat das Leder verkauft. 

Ein anderer Mann hat das Leder dann gekauft 

Der Mann hat eine große Fabrik. 
Die Fabrik macht Schuhe. 
Und andere Sachen aus Leder.
Zum Beispiel Taschen. 

In der Fabrik arbeiten viele Menschen. 
Die Menschen haben aus dem Leder Schuhe gemacht. 
Also uns Schuhe.
Aus meiner Haut. 
Und dann ist ein großes Auto gekommen. 
Ein Mann hat das Auto gefahren. 
Der Mann hat uns Schuhe in ein Geschäft gebracht. 
Und dann ist eine junge Frau gekommen. 
Sie hat uns Schuhe gekauft. 
Liebe Saskia.
Das bist du gewesen.
Du hast uns Schuhe gekauft.
Jetzt haben wir dir die Geschichte erzählt:
Was haben wir Schuhe für schlimme Dinge erlebt?
Also eigentlich:
Was habe ich für schlimme Dinge erlebt?
Also das Kalb.

Saskia bekommt einen Schreck

Sie findet das alles wirklich sehr schlimm. 
Was ist mit dem Kalb passiert?

Saskia sitzt immer noch auf der Bank.
Im Park. 
Und Saskia sagt:
Ja, das stimmt.
Ich habe euch Schuhe gekauft. 
Also eigentlich dich:
Das Kalb.
Und das tut mir jetzt sehr leid. 
Ich kaufe jetzt keine Schuhe mehr aus Leder.
Ich kaufe jetzt nur noch Schuhe aus anderem Material. 
Zum Beispiel aus Kunst·stoff. 
Man sagt auch Synthetik.
Das ist Plastik. 
Plastik ist zwar für die Umwelt schlecht. 
Aber Leder ist auch für die Umwelt schlecht. 

Menschen machen Leder?
Dann benutzen die Menschen nämlich viele Chemikalien. 
Und die sind giftig.
Und viel Wasser wird schmutzig.
Das Wasser ist dann nämlich auch giftig.
Und am schlimmsten ist es:
Viele Tiere müssen sterben. 
Zum Beispiel viele Kälber.
Und die Tiere haben schlimme Schmerzen. 

Saskia denkt lange nach:
Sie will jetzt vielen Tieren helfen. 
Deshalb kauft sie keine Sachen mehr aus Leder. 
Keine Schuhe. 
Und auch keine anderen Sachen. 

Und Saskia erzählt jetzt vielen Menschen:
Die Geschichte von den neuen Schuhen.
Und von dem traurigen Kalb.
So kaufen viele Menschen keine Schuhe mehr aus Leder.