Viele Striche an der Wand

Das ist eine sehr lange Geschichte.
In Leichter Sprache. 
Die Geschichte geht so:

Nora ist eine junge Frau.
Sie ist 35 Jahre alt. 
Sie wohnt in einer großen Stadt.
In einer großen Stadt wohnen viele Menschen.
Es gibt viele Häuser.

Nora hat ein Haus und einen Garten

Nora hat einen Onkel gehabt.
Und Nora hat einen Vater. 
Der Onkel war der Bruder vom Vater. 
Der Onkel war sehr krank.
Nora hat sich um den Onkel gekümmert. 
Sie hat ihn gepflegt. 
Dann ist der Onkel gestorben.

Der Onkel hat ein Haus gehabt. 
Und einen Garten.
Aber der Onkel hat keine Kinder. 
Deshalb hat Nora das Haus bekommen.
Und den Garten auch.
Nora wohnt jetzt in dem Haus.
Und sie geht gerne in den Garten.

Das Haus ist groß. 
In dem Haus sind 2 Wohnungen drin. 
Nora wohnt in einer Wohnung. 
Und eine Wohnung ist jetzt frei.
Da hat der Onkel drin gewohnt. 

Vielleicht vermietet Nora die Wohnung. 
Vom Onkel.
Dann können andere Menschen drin wohnen. 
Viele Menschen brauchen eine Wohnung. 
Nora hilft diesen Menschen gern.

Nora arbeitet in dem Haus

Nora arbeitet zu Hause.
Sie hat ein Büro. 
In ihrer Wohnung. 
In ihrem Haus.
Nora ist nämlich selbst·ständig.
Das heißt:
Nora hat eine Firma.

Aber Nora arbeitet alleine in der Firma.
Das ist sehr anstrengend.
Nora braucht Hilfe.
Deshalb sucht sie noch einen Mann.
Oder eine Frau.
Der Mann oder die Frau arbeiten dann auch in der Firma.
Sie helfen Nora dann.
Und Nora gibt dem Mann oder der Frau dafür Geld.

Nora sucht also noch einen Mann.
Oder eine Frau.
Zum Arbeiten.
In der Firma.

Und Nora hat einen großen Hund

Der Hund heißt Gustav. 
Gustav war der Hund von dem Onkel. 
Aber jetzt ist Gustav der Hund von Nora.
Denn Nora kümmert sich jetzt um Gustav.

Nora und Gustav gehen jeden Morgen spazieren.
Dabei sieht Nora eine Wand. 
Auf der Wand sind viele Striche drauf. 
Aber wer hat die Striche gemacht?
Und warum?
Das will Nora wissen. 
Vielleicht findet sie es heraus. 

Und so fängt alles an:

Der Hund-Gustav will spazieren gehen

Es ist morgens.
Nora liegt noch im Bett.
Sie macht die Augen auf.
Sie hört ein Geräusch. 
Es ist der Hund-Gustav. 

Gustav kratzt an der Tür. 
Er will zu Nora ins Zimmer rein.
Nora soll jetzt aufstehen.
Denn Gustav will spazieren gehen. 

Nora steht vom Bett auf.
Sie macht die Tür auf. 
Gustav kommt zu Nora ins Zimmer. 
Nora zieht ihre Kleidung an. 
Dann geht sie mit Gustav spazieren. 

In der Stadt ist ein Park

Nora und Gustav gehen im Park spazieren.
Das machen sie jeden Morgen.
Nora und Gustav gehen immer den·selben Weg.

Im Park ist eine Brücke.
Nora und Gustav gehen immer über die Brücke.
Unter der Brücke waren sie noch nie.

Aber heute regnet es viel. 
Nora und Gustav werden nass.
Sie gehen jetzt wieder über die Brücke. 
Da hat Nora eine Idee. 
Nora und Gustav gehen unter die Brücke. 
So werden sie vom Regen nicht nass.

Unter der Brücke ist viel Platz. 
Und es ist trocken. 
Aber auch ein bis·schen dunkel. 

Nora und Gustav warten unter der Brücke. 
Bis es aufhört zu regnen. 
Aber es regnet immer mehr. 
So bleiben Nora und Gustav lange unter der Brücke.

Nora tun die Beine schon weh. 
Sie kann nicht mehr stehen.
Sie muss sich jetzt hinsetzen. 
Aber wo?

Der Hund-Gustav legt sich auf den Boden.
Auf dem Boden ist Sand. 

Unter der Brücke steht eine alte Kiste.
Aus Holz.
Da war bestimmt Obst oder Gemüse drin.
Nora setzt sich auf die Kiste.

Dann sieht sie:

Unter der Brücke ist eine Wand

Auf der Wand sind viele Striche drauf. 
Jemand hat die Striche gemacht. 
Bestimmt mit Kreide. 
Wie in der Schule.
Auf einer Tafel.
Da benutzt man Kreide. 
Meistens ist die Kreide weiß.
Aber die Kreide an der Wand ist schwarz.
Die Striche sind nämlich schwarz.

Nora sieht:
Alle Striche sehen gleich aus. 
Es sind 4 Striche neben·einander. 
Und dann ist da noch ein Strich.
Er geht durch die 4 Striche durch.
Es sind also immer 5 Striche zusammen. 

Es gibt viele 5 Striche zusammen. 
Die ganze Wand ist voll mit den 5 Strichen. 
Es sieht aus wie ein Muster. 
Mit immer 5 Strichen. 

Nora zählt alle Striche.
Es sind 300 (3 Hundert) Striche.

Wer hat die Striche an die Wand gemacht? 
Und warum?
Was bedeutet das?

Jetzt hört es auf zu regnen.
Nora und der Hund-Gustav gehen unter der Brücke weg.
Sie gehen noch ein bis·schen spazieren. 
Dann gehen sie nach Hause. 
In die Wohnung.
Nora arbeitet dann in ihrem Büro.

Es ist wieder morgens

Nora und Gustav gehen im Park spazieren.
Sie gehen über die Brücke.
Nora will sich die Striche noch mal angucken.
Sie geht mit Gustav wieder unter die Brücke.
Nora zählt wieder die Striche.
Da sieht sie:
Es ist ein neuer Strich dabei.
Es sind jetzt 301 (3 Hundert 1) Striche.

Nora und Gustav gehen jetzt jeden Morgen unter die Brücke.
Nora zählt jeden Morgen die Striche.
Sie sieht:
Jeden Morgen ist ein neuer Strich an der Wand.
Wer macht die Striche nur?
Nora will das jetzt wissen.
Bestimmt macht ein Mensch die Striche.
Aber warum?
Und wo ist der Mensch jetzt?

Dann passiert etwas 

Es ist wieder morgens. 
Nora und Gustav gehen heute sehr früh in den Park. 
Draußen ist es noch dunkel. 
Nora und Gustav gehen über die Brücke. 

Auf einmal kommt ein Hund.
Der Hund ist so groß wie der Hund-Gustav. 
Der Hund will mit dem Hund-Gustav spielen. 
Nora hat diesen Hund noch nie gesehen.

Nora kennt viele Menschen im Park.
Viele Menschen haben einen Hund.
Aber diesen Hund kennt Nora nicht
Wem gehört der Hund wohl?
Nora weiß es nicht

Dann hört Nora eine Stimme.
Die Stimme ist von einem Mann. 
Der Mann ruft laut:
Sissi komm her.

Nora denkt:
Bestimmt heißt der Hund Sissi. 
Und Sissi soll zu dem Mann kommen.

Und das stimmt.
Der Hund spielt jetzt nicht mehr mit dem Hund-Gustav.
Der Hund geht unter die Brücke.
Bestimmt ist der Mann unter der Brücke.

Nora wartet noch einen Moment. 
Dann kommt der Hund-Sissi wieder unter der Brücke raus. 
Und der Mann kommt auch unter der Brücke raus. 
Der Mann hat einen Ruck·sack dabei. 
Und eine dicke Decke. 

Nora denkt: 
Der Mann ist so alt wie mein Vater.
Er ist bestimmt 60 Jahre alt.

Der Mann sieht Nora. 
Er sagt:
Guten Morgen. 
Nora sagt auch:
Guten Morgen. 
Dann geht der Mann mit dem Hund-Sissi weg. 

Nora und Gustav gehen wieder unter die Brücke. 
Nora zählt die Striche.
An der Wand ist ein neuer Strich. 
Nora denkt:
Bestimmt macht der Mann die Striche? 
Aber warum macht er das?

Nora sieht den Mann wieder 

Nora hat eine Schwester. 
Die Schwester ist krank.
Sie ist im Kranken·haus. 
Das Kranken·haus ist in der Stadt. 

Nora hat ein Auto. 
Sie fährt mit dem Auto zum Kranken·haus.
Sie will ihre Schwester besuchen.

Nora geht rein ins Kranken·haus. 
Im Kranken·haus ist ein Aufzug. 
Nora geht rein in den Aufzug. 
Im Aufzug sind viele Knöpfe.
An der Wand.

Nora drückt den Knopf für den 3. (dritten) Stock. 
Sie fährt mit dem Aufzug hoch. 
In den 3. (dritten) Stock. 
Die Schwester von Nora ist in einem Zimmer drin. 
Das Zimmer ist im 3. (dritten) Stock. 

Aber der Aufzug hält kurz an. 
Und zwar im 2. (zweiten) Stock.
Ein Mann steigt ein. 
Aber das ist doch der Mann vom Park? 
Nora kennt den Mann. 
Aber sein Hund-Sissi ist nicht dabei.

Nora sagt: Hallo. 
Der Mann sagt auch: Hallo. 
Aber dann sagt der Mann nichts mehr. 
Er guckt auf den Boden. 
Er sieht sehr traurig aus.

Dann ist der Aufzug im 3. (dritten) Stock.
Nora muss aus dem Aufzug raus.
Sie steigt aus.

Nora sagt zu dem Mann:
Auf Wiedersehen.
Der Mann sagt auch:
Auf Wiedersehen.
Zu Nora.

Der Mann bleibt noch im Aufzug drin.
Er hat den Knopf für den 4. (vierten) Stock gedrückt.
Das heißt:
Der Mann muss noch weiter hoch·fahren.
Er muss im 4. (vierten) Stock aus dem Aufzug raus.

Nora besucht dann ihre Schwester. 
In dem Zimmer. 
Im 3. (dritten) Stock. 
Der Schwester geht es wieder besser. 

Nora denkt oft an den Mann

Es ist wieder morgens.
Nora und Gustav sind im Park. 
Sie gehen wieder unter die Brücke. 
Nora zählt die Striche.
Sie sieht:
Es ist ein neuer Strich an der Wand.
Es sind jetzt 365 (3 Hundert 65) Striche. 
So viele Tage hat ein Jahr. 

Nora denkt: 
Der Mann mit dem Hund-Sissi war da.
Er hat wieder einen Strich gemacht. 
Der Mann kommt jeden Tag. 
Unter die Brücke.
Er macht jeden Tag einen Strich.
An die Wand.
Ein Jahr lang.
Aber warum macht der Mann das?

Nora denkt:
Der Mann macht morgens die Striche.
An die Wand.
Ich will dabei sein:
Wenn der Mann einen Strich macht.
Dann kann ich ihn fragen.
Warum macht er das?

Nora denkt: 
Ich habe den Mann morgens gesehen. 
Vielleicht bleibt er immer lange unter der Brücke.
Denn er hat einen Ruck·sack dabei gehabt. 
Er hat eine dicke Decke dabei gehabt. 
Und er hat seinen Hund dabei gehabt.

Vielleicht kommt der Mann in der Nacht. 
Vielleicht schläft er unter der Brücke?
Aber warum? 
Vielleicht hat er keine Wohnung? 

Ja, der Mann hat bestimmt keine Wohnung. 
Aber warum war er einmal im Kranken·haus.
Im Aufzug drin? 
Was hat er im Kranken·haus gemacht?

Nora hat eine Idee

Sie hat auch einen Ruck·sack.
Und auch eine dicke Decke. 
Und auch einen Hund. 
Nora will heute Nacht auch unter der Brücke schlafen. 
Vielleicht kommt der Mann. 
Dann kann Nora sehen: 
Wie der Mann einen Strich an die Wand macht. 
Und dann kann Nora den Mann fragen:
Warum macht er das?

Jetzt ist es Abend

Nora hat ihren Ruck·sack voll·gemacht.
Im Ruck·sack ist Essen und Trinken drin.
Klo·papier.
Taschen·tücher.
Ein Schlafanzug.
Eine Lampe.
Ein Handtuch.
Ein Handy

Und Nora hat die dicke Decke dabei.
Aber sie hat auch noch ein Kissen.
Und eine Luft·matratze.
Der Boden unter der Brücke ist nämlich sehr hart.
Das weiß Nora jetzt.
Da ist eine Luft·matratze gut.

Jetzt ist es draußen dunkel.
Nora geht mit Gustav in den Park.
Sie gehen unter die Brücke.

Nora macht die Lampe an.
Der Mann ist nicht unter der Brücke.
Vielleicht kommt er bald.
Nora macht Luft in die Luft·matratze.
Dann setzt sie sich auf die Luft·matratze drauf.

Die alte Kiste ist auch noch da.
Nora benutzt die Kiste als Tisch.
Nora hat Essen und Trinken dabei.
Sie stellt das Essen und Trinken auf die Kiste.

Nora bleibt lange wach.
Aber der Mann kommt nicht.
Nora zieht den Schlafanzug an.
Sie nimmt das Kissen.
Und die dicke Decke.
Dann legt sie sich auf die Luft·matratze.
Und schläft ein.

Gustav legt sich auf das Handtuch. 
Nora hat das Handtuch auf den Boden gelegt. 
So muss Gustav nicht im Sand liegen. 

Am nächsten Morgen 

Nora wacht auf. 
Sie zählt die Striche an der Wand.
Es sind immer noch 365 (3 Hundert 65) Striche.
Es ist kein neuer Strich an der Wand.
Der Mann ist nicht gekommen. 
Das versteht Nora nicht

Nora tun alle Knochen weh.
Sie hat schlecht geschlafen. 
Und kalt ist es auch.

Nora hat ein bis·schen Schnupfen bekommen. 
Vielleicht wird sie jetzt krank. 

Nora geht jetzt mit Gustav spazieren. 
Dann will sie nach Hause gehen. 
Sie muss in ihrem Büro arbeiten. 

Aber auf einmal kommt ein Hund. 
Er rennt im Park über die Wiese. 
Der Hund sieht aus wie Sissi.
Jetzt kommt der Hund zu Nora und Gustav. 
Der Hund ist wirklich Sissi. 
Aber wo ist der Mann? 

Sissi bellt sehr laut.
Sie läuft weg.
Und dann kommt sie wieder her.
Dann läuft sie wieder weg.
Und dann kommt sie wieder her.
Nora merkt:
Etwas stimmt nicht.
Vielleicht will Sissi etwas zeigen.
Nora und Gustav gehen mit Sissi mit.

Sissi bringt Nora und Gustav zu dem Mann

Der Mann liegt im Park.
Auf einer Bank. 
Neben der Bank steht eine Flasche. 
Die Flasche ist leer.
In der Flasche war Wein drin. 
Vielleicht hat der Mann den Wein getrunken?
Und neben der Bank liegen Tabletten. 
Die Tabletten sind auch leer. 
Vielleicht hat der Mann die Tabletten genommen?

Nora will den Mann wach machen.
Aber der Mann schläft fest.
Er wacht nicht auf.
Nora merkt jetzt:
Dem Mann geht es schlecht.
Deshalb ist er nicht unter die Brücke gekommen.
Deshalb hat er keinen Strich an die Wand gemacht.

Nora hat ihr Handy dabei.
Sie ruft einen Kranken·wagen an.
Sie will dem Mann helfen.

Der Kranken·wagen kommt schnell

Es kommen:
Ein Arzt.
Und 4 Männer.
Die 4 Männer sind Sanitäter.
Sie arbeiten mit dem Arzt zusammen.
Die Sanitäter bringen den Mann in den Kranken·wagen.
Der Kranken·wagen fährt dann ins Kranken·haus.
Das heißt:
Der Mann kommt ins Kranken·haus.

Nora hat dem Arzt nämlich gesagt:
Der Mann hat den Wein getrunken. 
Und die Tabletten genommen. 

Der Arzt hat gesagt:
Der Mann will sich umbringen. 
Das heißt: 
Der Mann will sterben. 
Nora findet das sehr schlimm. 

Warum will der Mann sterben?
Vielleicht hat er Probleme? 
Nora denkt:
Hoffentlich stirbt der Mann nicht

Nora will mit Gustav nach Hause gehen.
Aber dann sieht sie den Hund-Sissi. 
Nora nimmt Sissi mit nach Hause. 
In die Wohnung.

Das war eine schlimme Nacht unter der Brücke. 
Aber es war gut:
Nora hat den Mann gefunden. 
Morgen will sie den Mann im Kranken·haus besuchen. 

Nora besucht den Mann im Kranken·haus 

Es ist morgen. 
Nora fährt mit ihrem Auto ins Kranken·haus. 
Sie fragt im Kranken·haus:
Wo findet sie den Mann? 

Dem Mann geht es besser.
Er ist jetzt wieder wach.
Aber er ist im Kranken·haus.
Auf einer besonderen Station. 
Das heißt:
Die Station ist abgeschlossen. 
Der Mann kann nicht raus aus dem Kranken·haus.
Sonst will er vielleicht wieder sterben.
Dann trinkt der Mann vielleicht wieder Wein.
Und er nimmt wieder die Tabletten. 
Das darf nicht passieren.

Nora ist jetzt an der Tür.
Von der besonderen Station.
An der Tür ist eine Klingel.
Nora klingelt.
Eine Kranken·schwester macht die Tür auf.
Die Kranken·schwester sagt:
Was möchten Sie?

Nora sagt:
Im Kranken·haus ist ein Mann.
Er ist auf dieser Station.
Er ist gestern gekommen.
Er hat Wein getrunken.
Und Tabletten genommen.
Ich weiß nicht:
Wie heißt der Mann?
Aber ich habe ihn gefunden.
Und den Kranken·wagen gerufen.
Ich möchte den Mann jetzt besuchen.

Die Kranken·schwester lässt Nora rein.
In die besondere Station.

Der Mann ist in einem Zimmer drin

Er liegt in einem Bett.
Nora geht in das Zimmer rein.
Der Mann kennt Nora sogar.

Nora sagt: Hallo.
Der Mann sagt auch: Hallo.

Nora nimmt einen Stuhl.
Sie setzt sich zu dem Mann.
An das Bett.

Der Mann sagt:
Sie sind doch die Frau im Park?
Ich habe Sie auf der Brücke gesehen.

Nora sagt:
Ja, und ich habe Sie unter der Brücke gesehen.
Mit Ihrem Hund-Sissi.

Der Mann sagt:
Wo ist Sissi jetzt?

Nora sagt:
Sissi geht es gut.
Sie ist bei mir zu Hause.
In meiner Wohnung.
Bei meinem Hund-Gustav.
Die 2 verstehen sich gut.

Der Mann sagt:
Das ist gut.
Ich habe nur noch meinen Hund-Sissi.

Nora sagt:
Warum wollen Sie nicht mehr leben?
Warum haben Sie den Wein getrunken.
Und die Tabletten genommen?

Der Mann sagt:
Es ist etwas Schlimmes passiert.

Das war so:

Es war vor einem Jahr

Ich habe eine Tochter.
Und ich habe ein Auto gehabt.
Ich bin mit meiner Tochter mit dem Auto gefahren.
Wir haben einen Unfall gehabt.
Meine Tochter war schlimm verletzt.
Sie ist ins Kranken·haus gekommen.

Meine Tochter lebt noch.
Aber sie schläft sehr fest.
Seit einem Jahr.
Niemand kann sie wach machen.
Das klappt nicht.
Und niemand weiß:
Wie lange schläft meine Tochter noch.
Vielleicht wacht sie morgen auf.
Vielleicht wacht sie nicht mehr auf.
Dann schläft sie für immer.
Die Ärzte sagen.
Meine Tochter liegt im Koma.

Der Mann sagt noch: 
Ich bin schuld. 
Ich habe den Unfall gemacht. 
Denn ich bin das Auto gefahren. 
Deshalb schläft meine Tochter jetzt. 
Vielleicht für immer. 
Die Ärzte sagen. 
Vielleicht wacht meine Tochter wieder auf.
Aber vielleicht kann sie dann nicht mehr laufen.
Vielleicht kann sie nicht mehr sprechen. 
Oder vielleicht kann sie nichts mehr alleine machen. 
Dann braucht meine Tochter überall Hilfe. 
Und ich bin schuld.

Dann fängt der Mann zu weinen an. 

Nora findet das alles sehr schlimm

Sie sagt zu dem Mann:
Das tut mir sehr leid.
Und ich weiß:
Sie schlafen nachts unter der Brücke.
Mit Ihrem Hund-Sissi?
Und Sie machen viele Striche an die Wand.
Warum machen Sie das?

Der Mann sagt:
Ja, ich schlafe unter der Brücke.
Das stimmt.
Denn ich habe keine Wohnung mehr.
Ich habe eine Wohnung gehabt. 
Ich habe ein Haus gehabt. 
Ein Haus ist größer als eine Wohnung. 
Aber ich habe es verkauft. 
Ich habe dafür Geld bekommen. 
Das Geld bekommt meine Tochter. 
Wenn sie wieder wach wird.
Von dem Geld kaufe ich dann alles:
Was meine Tochter braucht.

Und der Mann sagt noch:
Ich habe jetzt keine Wohnung mehr. 
Also kein Haus mehr.
Deshalb schlafe ich unter der Brücke. 
Und weil ich unter der Brücke schlafe. 
Deshalb habe ich keine Adresse. 
Wo ich wohne.

Ich habe gearbeitet.
Und einen Chef gehabt.
Aber mein Chef braucht eine Adresse. 
Wo ich wohne.
Deshalb kann ich nicht mehr für meinen Chef arbeiten. 
Deshalb habe ich keine Arbeit mehr.
Deshalb verdiene ich kein Geld mehr. 
Deshalb kann ich keine Wohnung bezahlen. 
Das heißt:
Ich kann keine Wohnung mieten.
Damit ich wieder eine Wohnung habe.

Und ich kann auch nicht zu einem Amt gehen.
Damit ich Geld bekomme. 
Damit ich eine Wohnung mieten kann.
Denn das Geld von dem Haus ist noch da. 
Es ist auf der Bank.
Ich habe das Geld gespart.
Für meine Tochter.

Das Amt sagt: 
Ich muss das Geld benutzen. 
Und mit dem Geld eine Wohnung bezahlen. 
Aber dann bekommt meine Tochter das Geld nicht
Und sie soll das Geld bekommen.
Denn ich habe den Unfall gemacht. 
Meiner Tochter soll es gut gehen.
Sie braucht das Geld:
Wenn sie aufwacht.

Nora will dem Mann helfen

Nora findet das alles sehr schlimm. 
Sie denkt nach:
Dann hat sie eine Idee.

Nora sagt:
Ich kann Ihnen helfen.
Es wird alles gut.
Aber bitte trinken Sie keinen Wein mehr.
Und nehmen Sie keine Tabletten mehr.
Ihre Tochter wacht bestimmt wieder auf.
Ihre Tochter braucht Sie dann.

Nora sagt noch:
Ich habe ein Haus.
Es ist eine Wohnung frei.
Es wohnt niemand drin.
Sie können die Wohnung mieten.
Sie können in der Wohnung wohnen.

Und ich habe eine Firma.
Ich brauche noch einen Mann.
Oder eine Frau.
Zum Arbeiten.
Sie können in der Firma arbeiten.
Dann verdienen Sie wieder Geld.
Das heißt:
Ich bin dann Ihr neuer Chef.
Sie können für mich arbeiten.
Ich gebe Ihnen dafür Geld.
Sie können die Wohnung mit dem Geld bezahlen. 
Sie können das Geld von Ihrem Haus sparen.
Und Ihrer Tochter geben.
Dann bekommt Ihre Tochter das Geld.
Von dem Haus.
Und Sie haben wieder eine Wohnung. 
Und eine Arbeit. 

Jetzt geht es dem Mann gut

Er freut sich.
Er sagt:
Vielen Dank.
Das ist ein großes Geschenk.
Ich wohne gerne in Ihrer Wohnung.
Und ich arbeite gerne in Ihrer Firma.
Das hilft mir sehr.

Jetzt hat der Mann wieder eine Wohnung.
Er muss nicht mehr unter der Brücke schlafen. 
Und er hat auch wieder eine Arbeit. 
Er verdient wieder Geld.
Er kann die Wohnung bezahlen. 

Nora sagt:
Aber jetzt sagen Sie mir:
Warum haben Sie die Striche an die Wand gemacht?

Da sagt der Mann: 
Jeder Strich bedeutet,
meine Tochter schläft noch. 
Ich warte noch:
Bis meine Tochter wieder aufwacht.

Dann habe ich keine Striche mehr gemacht.
Ich habe den Wein getrunken.
Und die Tabletten genommen.
Denn ich habe gedacht:
Meine Tochter wacht nicht mehr auf.
Deshalb wollte ich auch nicht mehr aufwachen.
Ich habe keine Hoffnung mehr gehabt.

Die Tochter wacht wieder auf

Der Mann ist wieder gesund.
Er wohnt jetzt in dem Haus von Nora.
Und er arbeitet in der Firma von Nora.

Der Mann hat sich ein Handy gekauft.
Auf einmal klingelt das Handy.
Ein Arzt vom Kranken·haus ruft an.
Der Arzt sagt:
Kommen Sie ins Kranken·haus.
Ihre Tochter ist aufgewacht.
Es ist ein Wunder, passiert.

Der Mann freut sich.
Er ist so aufgeregt.
Er sagt zu Nora:
Der Arzt hat angerufen.
Meine Tochter ist wach.
Ich muss ins Kranken·haus.

Nora und der Mann fahren ins Kranken·haus

Der Mann besucht seine Tochter.
Im Kranken·haus.
Er geht an das Bett von der Tochter.
Er nimmt ihre Hand.
Die Tochter macht die Augen auf.

Der Mann merkt:
Die Tochter kennt ihn.
Sie sagt zu ihm: Papa. 

Der Mann ist jetzt sehr glücklich. 
Und er hat wieder Hoffnung.

Die Tochter ist wieder wach. 
Sie kann sprechen. 
Und vielleicht kann sie auch bald wieder laufen. 
Und alle Dinge alleine machen.
Dann wird alles gut. 

Das ist das Ende von der Geschichte.