Viele Striche an der Wand

Das ist eine Geschichte in Einfacher Sprache:

Nora ist eine Frau.
Sie ist 35 Jahre alt. 
Sie wohnt in einer großen Stadt.
Da wohnen viele Menschen.

Nora hat ein großes Haus

In dem Haus sind 2 Wohnungen drin. 
Nora wohnt in einer Wohnung. 
Und eine Wohnung ist frei.

Vielleicht vermietet Nora eine Wohnung. 
Dann können andere Menschen drin wohnen. 
Viele Menschen brauchen nämlich eine Wohnung. 
Nora hilft diesen Menschen gern.

Nora arbeitet zu Hause

Sie hat ein Büro. 
In ihrem Haus.
Nora ist nämlich selbst·ständig.
Das heißt:
Nora hat eine Firma.

Aber Nora arbeitet alleine in der Firma.
Das ist sehr anstrengend.
Nora braucht Hilfe.
Deshalb sucht sie einen Mann.
Oder eine Frau.
Der Mann oder die Frau helfen Nora dann.
Und Nora gibt dem Mann oder der Frau dafür Geld.

Nora sucht also einen Mann.
Oder eine Frau.
Zum Arbeiten.
In der Firma.

Nora hat einen großen Hund

Der Hund heißt Gustav.
Nora und Gustav gehen jeden Morgen spazieren.
Sie gehen in einen Park.
Der Park ist in der Stadt.

In dem Park ist eine Brücke.
Nora und Gustav gehen immer über die Brücke.
Unter der Brücke waren sie noch nie.

Aber heute regnet es. 
Nora und Gustav werden nass.
Da hat Nora eine Idee. 
Nora und Gustav gehen unter die Brücke. 
Da ist es nämlich trocken.
Nora und Gustav bleiben unter der Brücke. 
Bis es aufhört zu regnen.

Auf einmal sieht Nora:
Unter der Brücke ist eine Wand.
Auf der Wand sind viele Striche drauf. 
Die Striche sind schwarz.
Sie sehen wie ein Muster aus. 

Nora zählt alle Striche.
Es sind mehr als 300 (3 Hundert) Striche.

Nora denkt:
Ein Mensch hat die Striche gemacht. 
Aber warum?
Was bedeuten die Striche?

Jetzt scheint die Sonne.
Nora und Gustav gehen unter der Brücke raus.
Sie gehen nach Hause. 
Und dann arbeitet Nora in ihrem Büro.

Am nächsten Morgen

Nora und Gustav sind wieder unter der Brücke.
Nora guckt sich die Striche noch mal an.
Und sie zählt die Striche wieder.
Da sieht sie:
Es ist ein neuer Strich dabei.

Nora zählt die Striche jetzt jeden Morgen.
Und jeden Morgen ist ein neuer Strich dabei.

Aber dann passiert etwas 

Es ist wieder morgens. 
Nora und Gustav sind sehr früh im Park. 
Auf einmal kommt ein Hund.
Nora hat den Hund noch nie gesehen.
Nora weiß nicht.
Wem gehört der Hund?
Und dann hört Nora eine Stimme.
Ein Mann ruft nämlich:
Sissi komm her. 

Der Hund geht unter die Brücke.
Nora wartet einen Moment. 
Auf einmal kommt der Hund wieder unter der Brücke raus. 
Und ein Mann kommt auch unter der Brücke raus. 
Der Mann hat einen Ruck·sack dabei. 
Und eine Decke. 

Nora denkt: 
Der Mann ist bestimmt 60 Jahre alt?
Und der Hund heißt bestimmt Sissi?

Der Mann sieht Nora. 
Der Mann sagt: Hallo. 
Nora sagt auch: Hallo. 
Dann geht der Mann mit dem Hund-Sissi weg. 

Nora und Gustav gehen unter die Brücke. 
Und Nora zählt die Striche.
Es ist wieder ein neuer Strich dabei. 
Nora denkt:
Der Mann macht die Striche. 
Aber warum?
Der Mann kommt jeden Tag. 
Er macht jeden Tag einen Strich.
An die Wand.
Ich frage den Mann:
Warum macht der Mann die Striche?

Nora denkt: 
Ich habe den Mann gesehen. 
Er hat einen Ruck·sack dabei gehabt. 
Er hat eine Decke dabei gehabt. 
Und er hat seinen Hund-Sissi dabei gehabt.
Vielleicht hat der Mann keine Wohnung?
Vielleicht schläft der Mann in der Nacht
unter der Brücke?

Nora hat eine Idee

Nora hat auch einen Ruck·sack.
Sie hat auch eine Decke. 
Und sie hat auch einen Hund.
Den Hund-Gustav.
Nora will heute Nacht unter der Brücke schlafen. 
So wie der Mann.
Bestimmt kommt der Mann wieder? 
Dann kann Nora fragen: 
Warum macht der Mann die Striche.
An die Wand?

Jetzt ist es Nacht

Es ist dunkel.
Nora und Gustav sind unter der Brücke.
Aber der Mann ist nicht da.
Bestimmt kommt er bald?

Nora hat ihren Ruck·sack dabei.
Und Nora hat ihre Decke dabei.
Nora bleibt lange wach.
Aber der Mann kommt nicht.
Auf einmal ist Nora sehr müde.
Und sie schläft ein.

Am nächsten Morgen 

Nora wacht auf. 
Sie zählt die Striche an der Wand.
Es ist kein neuer Strich dabei.
Der Mann war also nicht da. 
Das versteht Nora nicht

Nora geht noch mit Gustav spazieren. 
Dann will sie nach Hause gehen. 
Sie muss nämlich in ihrem Büro arbeiten. 

Aber auf einmal kommt ein Hund. 
Es ist der Hund-Sissi.
Aber wo ist der Mann? 

Der Hund-Sissi bellt sehr laut.
Nora merkt:
Es gibt Probleme.
Der Hund-Sissi will Nora etwas zeigen.
Nora und Gustav gehen mit dem Hund-Sissi mit.

Dem Mann geht es schlecht

Der Hund-Sissi bringt Nora und Gustav
zu dem Mann.
Der Mann liegt im Park.
Auf einer Bank.
Der Mann schläft. 
Neben der Bank steht eine leere Flasche. 
In der Flasche war Wein drin. 
Bestimmt hat der Mann den Wein getrunken?
Und neben der Bank liegen Tabletten. 
Die Tabletten sind auch leer. 
Bestimmt hat der Mann die Tabletten genommen?

Nora will den Mann wach machen.
Aber der Mann schläft sehr fest.
Nora merkt:
Dem Mann geht es schlecht.
Deshalb ist der Mann nicht unter die Brücke gekommen.
Deshalb hat der Mann keinen Strich an die Wand gemacht.

Nora hat ihr Handy dabei.
Sie ruft einen Kranken·wagen an.
Sie will dem Mann helfen.

Der Kranken·wagen kommt

Es kommen:
Ein Arzt.
Und 4 Männer.
Die 4 Männer sind Sanitäter.
Sie arbeiten mit dem Arzt zusammen.

Nora sagt dem Arzt:
Der Mann hat den Wein getrunken. 
Und die Tabletten genommen. 

Der Arzt sagt:
Der Mann will sich umbringen. 
Der Mann will sterben. 

Nora findet das sehr schlimm. 
Nora denkt:
Hoffentlich stirbt der Mann nicht

Der Kranken·wagen bringt den Mann ins Kranken·haus.
Und Nora will mit Gustav nach Hause gehen.
Aber dann sieht Nora den Hund-Sissi. 
Nora nimmt den Hund-Sissi mit.

Nora denkt:
Das war eine schlimme Nacht
unter der Brücke. 
Nora hat nämlich sehr schlecht geschlafen.
Aber es ist gut:
Nora hat den Mann gefunden. 
So lebt der Mann noch.

Und Nora denkt:
Morgen besuche ich den Mann
im Kranken·haus.

Nora besucht den Mann 

Nora ist im Kranken·haus. 
Dem Mann geht es besser.
Er ist jetzt wach.
Aber er ist auf einer besonderen Station. 
Das heißt:
Die Tür von der Station ist abgeschlossen. 
Der Mann muss im Kranken·haus drin bleiben.
Sonst will er vielleicht wieder sterben.
Dann trinkt der Mann wieder Wein.
Und er nimmt wieder die Tabletten. 
Das darf nicht passieren.

Der Mann ist in einem Zimmer drin

Nora geht in das Zimmer rein.
Nora sagt: Hallo.
Der Mann sagt auch: Hallo.

Der Mann liegt in einem Bett.
Nora nimmt einen Stuhl.
Sie setzt sich zu dem Mann.
An das Bett.

Der Mann kennt Nora sogar.
Der Mann sagt nämlich:
Sie sind doch die Frau im Park?
Ich habe Sie gesehen.

Nora sagt:
Ja, und ich habe Sie auch gesehen.
Mit Ihrem Hund-Sissi.

Der Mann sagt:
Wo ist Sissi?

Nora sagt:
Sissi geht es gut.
Sie ist bei meinem Hund-Gustav.
Die 2 verstehen sich gut.

Der Mann sagt:
Das ist gut.

Nora sagt:
Warum wollen Sie nicht mehr leben?
Warum haben Sie den Wein getrunken.
Und die Tabletten genommen?

Der Mann sagt:
Es ist etwas passiert.
Es war vor einem Jahr.
Ich habe eine Tochter.
Und ich habe ein Auto gehabt.
Ich bin mit dem Auto gefahren.
Und meine Tochter war dabei.
Ich habe einen Unfall gemacht.
Meine Tochter war schlimm verletzt.
Meine Tochter ist im Kranken·haus.
Sie lebt noch.
Aber sie schläft sehr fest.
Niemand kann sie wach machen.
Und niemand weiß:
Wie lange schläft meine Tochter noch?
Vielleicht wacht sie morgen auf?
Vielleicht wacht sie nicht mehr auf?
Dann schläft sie für immer.
Die Ärzte sagen:
Meine Tochter liegt im Koma.
Und die Ärzte sagen noch:
Vielleicht wacht meine Tochter wieder auf?
Aber vielleicht kann sie dann nicht mehr laufen?
Vielleicht kann sie nicht mehr sprechen? 
Oder vielleicht kann sie nichts mehr alleine machen? 
Dann braucht meine Tochter überall Hilfe. 

Jetzt weint der Mann. 
Und der Mann sagt:
Ich bin an dem Unfall schuld.

Nora findet das alles sehr schlimm

Nora sagt zu dem Mann:
Das tut mir sehr leid.
Und ich weiß:
Sie schlafen in der Nacht unter der Brücke.
Mit Ihrem Hund-Sissi.
Und Sie machen viele Striche an die Wand.

Da sagt der Mann:
Ja, ich schlafe unter der Brücke.
Ich habe nämlich keine Wohnung mehr.
Ich habe ein Haus gehabt. 
Aber ich habe es verkauft. 
Ich habe viel Geld bekommen. 
Das Geld bekommt meine Tochter.

Und der Mann sagt noch:
Ich habe jetzt keine Wohnung mehr.
Deshalb habe ich auch keine Arbeit mehr.
Ich verdiene kein Geld mehr.
Deshalb kann ich keine Wohnung bezahlen.
Das heißt:
Ich kann keine Wohnung mieten.
Damit ich wieder eine Wohnung habe.
Und ich kann auch nicht zu einem Amt gehen.
Damit ich Geld bekomme. 
Damit ich eine Wohnung mieten kann.
Das Geld von dem Haus ist nämlich noch da. 
Es ist auf der Bank.
Das Amt sagt: 
Ich muss das Geld benutzen. 
Und mit dem Geld eine Wohnung bezahlen. 
Aber das Geld ist für meine Tochter. 
Vielleicht wacht meine Tochter wieder auf?
Dann braucht sie das Geld.

Nora will dem Mann helfen

Nora sagt:
Es wird alles gut.
Bitte trinken Sie keinen Wein mehr.
Und nehmen Sie keine Tabletten mehr.
Ihre Tochter wacht bestimmt wieder auf.
Ihre Tochter braucht Sie dann.

Und Nora sagt noch:
Ich habe ein Haus.
Es ist eine Wohnung frei.
Sie können die Wohnung mieten.
Und in der Wohnung wohnen.
Und ich habe eine Firma.
Ich brauche noch einen Mann.
Oder eine Frau.
Zum Arbeiten.
Sie können in der Firma arbeiten.
Dann verdienen Sie wieder Geld.
So können Sie die Wohnung bezahlen. 
Dann bekommt Ihre Tochter das Geld.
Von dem Haus.
Und Sie haben trotzdem eine Wohnung. 
Und eine Arbeit. 

Jetzt freut sich der Mann.
Der Mann sagt:
Vielen Dank.
Das ist ein sehr, sehr großes Geschenk.
Ich wohne gerne in Ihrer Wohnung.
Und ich arbeite gerne in Ihrer Firma.
Das hilft mir sehr.

Und jetzt fragt Nora den Mann:
Warum haben Sie die Striche
an die Wand gemacht?

Da sagt der Mann: 
Jeder Strich bedeutet,
ich warte einen Tag darauf:
Meine Tochter wacht wieder auf.

Die Tochter wacht wieder auf

Der Mann hat sich ein Handy gekauft.
Auf einmal klingelt das Handy.
Ein Arzt vom Kranken·haus ruft an.
Der Arzt sagt:
Kommen Sie schnell ins Kranken·haus.
Ihre Tochter ist aufgewacht.

Der Mann freut sich sehr.
Er ist so aufgeregt.
Er geht ins Kranken·haus.
An das Bett von der Tochter.
Er nimmt die Hand von der Tochter.
Die Tochter macht die Augen auf.
Der Mann merkt:
Die Tochter kennt ihn.
Die Tochter sagt: Papa. 

Der Mann ist sehr glücklich. 
Die Tochter ist wieder wach. 
Sie kann sprechen. 
Und bestimmt kann sie bald wieder laufen. 
Und alle Dinge alleine machen.
So wird alles gut.